Fachtag Schulsozialarbeit

Schnittstellen statt Standorte

22.08.2011

1. Fachtag Schulsozialarbeit in Darmstadt schließt mit gutem Resümee              

Pressebericht zum Fachtag                         Fachvortrag von Dr. Peter Held

mein südhessen

Zu einem ersten Fachtag der Schul-sozialarbeit in Darmstadt hatten die fünf verantwortlichen Träger für den 17. August 2011 nach Darmstadt – Eberstadt eingeladen. Der außer-gewöhnliche Veranstaltungsort in der Grenzallee, das Zelt des Circus Waldoni, stellte für die rund einhundert Besucher einen zusätzlichen Rahmen mit Premieren-charakter dar.Die Veranstaltung wurde in Träger-kooperation von Mobile Praxis, dem Verein Kinder- und Jugendarbeit im Johannesviertel, dem SKA (Sozial-kritischer Arbeitskreis), KOMM (Beratung in Schule und Stadtteil) und dem Internationalen Bund (IB) durchgeführt. Diese fachliche Koope-ration ist Bestandteil des sozialraum-orientierten Konzepts für die Schulsozialarbeit in Darmstadt.Susanne Flath von der Mobilen Praxis und Michael Siebel, in seiner Rolle als Vorsitzender  des Vereins Kinder- und Jugendarbeit im Johannesviertel, konnten unter den Gästen auch die Darmstädter Sozialdezernentin, Barbara Akdeniz, den Leiter des Jugendamtes der Stadt Darmstadt, Thomas Gehrisch, sowie den Leiter des städtischen Sozialdienstes, Klaus Fischer will- kommen heißen.In ihrer Begrüßung betonte Barbara Akdeniz, „dass eine Umsteuerung von einer Standort bezogenen in eine sozialraum-orientierte Schulsozialarbeit fachlich geboten ist.“ Der im August 2010 begonnene Umbau gehe nun mit der zweiten sozialräumlichen Ausbau- stufe in die entscheidende Phase. Zunehmend würde der Bedarf der Schulen mit den Angeboten der Hilfen zur Erziehung beantwortet. Hier liege aber ein primärer Auftrag für die Schulsozialarbeit vor. Der Bedarf müsse, so betonte Akdeniz, präventiv

dort beantwortet werden, wo er entstehe – in der Schule. Ziel sei es, dass sich Eltern, Kinder und Lehrkräfte in einem starken Netz geborgen und nicht gefangen fühlten. Akdeniz erläuterte dabei die Eigenständigkeit und den Korrektur-auftrag der Schulsozialarbeit, „weil Schule den Auftrag von Bildung und Erziehung nicht ausreichend erfüllen kann“. Die Begegnung von Akteuren aus den Schulen und der Schulsozialarbeit beim Fachtag solle ein  Kooperations-beitrag von Jugendhilfe und Schule sein und die Bedeutung und Herausforderung der Schulsozialarbeit in den Mittelpunkt stellen. Die Netzwerke sollen gestärkt, neue Erkenntnisse gewonnen und Qualitätsstandards entwickelt werden.

Beim nachfolgenden Fachvortrag von Dr. Peter Held, Darmstädter Fachinstitut für Persönlichkeitsent-wicklung und Professionalisierung, stand die besondere Herausforderung der   Kooperation an der Schnittstelle von Schule und Schulsozialarbeit im Fokus. Mit anschaulicher Symbolik und ganzheitlich orientierten Vortrags-elementen aktivierte Held die Lernprozesse der Gäste.
Auch die von Held vorgestellten theoretische Erklärungsmodelle zeigten, dass an Schnittstellen ein besonders hoher Abstimmungsbedarf besteht. Dies hier insbesondere, da die Akteure aus Schule und Sozialarbeit durch unterschiedliche Brillen schauten. Die Schule und die Schulsozialarbeit seien in je unterschiedliche Organisations-strukturen und Kulturen eingebunden. Hier nannte er einerseits das Bildungssystems und andererseits die Jugendhilfe. Damit begegneten sich
Elemente wie etwa Stabilität und

Flexibilität, Leistungsorientierung und Lebensweltorientierung, Schulpflicht und Freiwilligkeit.
Bei der beruflichen Partnerschaft, so Held weiter, gäbe es „viel Mühe für eine Beziehungsklärung“. Ohne Schule und ohne schulisches Mitwirken sei eine effektive Schulsozialarbeit nicht zu erreichen. Hier entstehe im Idealfall ein „systemischer Tanz“ bei dem nicht nur ein Teil führe, sondern wechselseitige Impulse eine Bewegung entstehen lassen. Die Systeme Schule und Schulsozialarbeit könnten sich nicht wechselseitig instruieren, sondern sich an den Schnittstellen wie bei einem Mobilé Anstöße geben, die verändernde Bewegungen bewirken könnten.

Der „Marktplatz Schulsozialarbeit“, bei dem alle Träger sich und ihre Arbeit vorstellten, beschloss den Vormittag im Anschluss an den Fachvortrag. Im Rahmen von Workshops konnten am Nachmittag zahlreiche Themen angesprochen und Zukunftsthemen für weitere Fachtage ermittelt werden. So ergaben sich neue Impulse und angeregte Fachdiskussionen unter anderem zur Gewaltprävention und sozialem Lernen, zur Einzelfallhilfe und Elternberatung.
Abschließend konnten die Veranstalter mit großer Zufriedenheit und ermutigenden Rückmeldungen der Teilnehmer die Veranstaltung beschließen. Neben den inhaltlichen Anregungen lobten die Fachbesucher auch den atmosphärischen Rahmen, der durch das Catering von Bistro Flex aus Erbach abgerundet wurde. Bei allen Unterschieden zwischen den Trägern, so ein pointiertes Resümee, erfüllten doch alle den Kernauftrag der Schulsozialarbeit in gleicher Weise.