Fachtag mit Mauri Fries


Pressebericht Darmstädter Echo

Zur vollständigen Bildergalerie

Mauri Titel Aktuelles

Eltern - Ein sicherer Hafen für Kinder

19.01.2010


Kinder brauchen Bindung. Darüber schienen sich die 170 pädagogischen Fachkräfte bei einem Fachtag am 18. Januar im Kreishaus Darmstadt-Dieburg einig zu sein. Was Bindung für die Erziehung und Bildung von Kindern im Elternhaus und in pädagogischen Einrichtungen konkret bedeutet konnten die Beteiligten von der aus Berlin angereisten Referentin Dr. Mauri Fries erfahren. Die Entwicklungspsychologin und Thera-peutin stellte dem Forum das Konzept der Feinfühligkeit vor, bei dem das Sehen und Verstehen von Kindern und das daraus folgende pädagogische Handeln zentrale Leitmotive sind. Zur Veranstaltung hatte die Abteilung Familienförderung der Kreisverwaltung und die beiden freien Träger der Jugendhilfe, das St. Josephshaus aus Klein-Zimmern und die Mobile Praxis aus Darmstadt eingeladen. Bei ihrer Begrüßung betonte die erste Beigeordnete, Rosemarie Lück, dass der Landkreis die Schnittstellen der Institutionen weiter unterstützen wolle.

Mauri Fries zeigte, dass Kinder genau wissen, was ihnen gut tut. Sie besitzen von Geburt an eine starke innere Motivation Bindungen an Erwachsene einzugehen. Dies fördert bei Wohlbefinden ihre Neugier und damit ihre Erkundung der Welt. Und es schützt und tröstet bei Stress, wenn sie bei einer Überforderung wieder zu den wichtigen Bezugs-personen in der Familie und


Betreuungseinrichtungen zurück kehren können. Gerade das Gelingen der ersten Bindungs- und Beziehungs-erfahrungen bestimmt Chancen und Risiken der weiteren Entwicklung. Dafür brauchen Kinder vertraute, verlässliche und verfügbare Per- sonen. Die Fachleute aus der Familienhilfe, Kindertagesstätten, Tagespflege und Erziehungsberatung konnten sich mit Videobeispielen ein wirkliches Bild von unterschiedlichem Bindungsverhalten von Kindern machen.

In den Video-fzeichnungen wurde zwischen Lachen und Weinen der Kleinen deutlich, welche kindlichen Signale für ein sicheres und ein unsicheres Bindungsverhalten sind. Gerade die sicher gebundenen Kinder, so Fries, seien anstrengend, denn sie können vehement einfordern, was sie benötigen. Besonders um das zweite Lebensjahr sind hier von Eltern Klarheit und Orientierung wichtig. Ein unsicheres, möglicherweise stilles oder chaotisch wirkendes Kind zeige jedoch kein pathologisches Verhalten. Hier zeigten sich nur Lösungsversuche von Kindern, wenn Eltern nicht immer aufmerksam und klar sein können.

Fries räumte auch ein Vorurteil aus: Man solle Kinder nicht verwöhnen. „Kinder kann man nicht verwöhnen.“ Eltern und pädagogische Profis müssten Kindern, wenn diese in Stress geraten


sofort und angemessen trösten und ihnen Sicherheit geben. Gefühls-äußerungen sollten nicht bestraft oder ignoriert werden. Wenn Kinder die Erfahrung machen, dass ihre Gefühle in Ordnung sind, lernen sie, dass man auch mit bedrohlichen Gefühlen klar kommen kann.Sie finden, so die Psychologin, dann wieder eine innere Balance, sie beginnen ihren Verstand zu nutzen, um selber etwas zu bewirken. Damit beginnt bereits die frühkindliche Bildung und es ist die Basis geschaffen in der Welt zu bestehen, auch wenn es mal stürmisch wird. Die Eltern sind dann der sichere Hafen, an dem der Sturm vorbei zieht. Eltern seien aber auch Menschen, die nicht immer ausdauernd und geduldig sein könnten. Wichtig sei hier nur, dass die Eltern, auch wenn sie mal poltern, die Verantwortung dafür übernehmen, „dass alles wieder gut wird“.

Und wenn Kinder den heimischen Hafen verlassen müssen brauchen sie Zeit. Für die Eingewöhnung in die Krippe, Tagespflege und Kindertages-stätte gab Fries eindeutige Empfehlungen. So sollen sich die Eltern zunächst nur zwanzig bis dreißig Minuten entfernen. Die Erfahrung zeige, dass Kinder dies im Schnitt zwei Wochen benötigen. Wenn sich Kinder stark an die Eltern klammern müsse man ihnen auch mal drei Wochen Zeit geben. In einigen Fällen reiche eine Woche.